Generell kann man ja sehr, sehr viele Stunden damit verbringen über die Baustellen und Absurditäten des deutschen Hochschulwesens zu streiten. Dabei würde man sicher auch zu der Frage kommen, welchen Sinn es hat, dass die Abschlüsse von Fachhochschulen und Berufsakademien denen von Universitäten rechtlich gleichgestellt sind, obwohl sie real eklatante Unterschiede in der jeweiligen Ausrichtung der Ausbildung und dem Anforderungsniveau haben. Doch darüber will ich an dieser Stelle nicht allzu viele Worte verlieren. Ich nehme erstmal hin, dass es so ist. Im Gesetz über die Berufsakademie im Freistaat Sachsen (SächsBAG) heißt es in §10a (3) daher: “ Der Bachelorabschluss der Berufsakademie Sachsen ist dem Bachelorabschluss der Hochschulen gleichgestellt.“ Ich hab heute gleich in mehrfacher Ausführung erlebt, dass man das nicht allzu wörtlich nehmen sollte.

Die Geschichte dazu ist jeweils die Gleiche: Ein Student absolviert seinen Bachelor an einer der 7 staatlichen Berufsakademien in Sachsen. Er entschließt sich, dass er noch einen Master an einer Universität in Sachsen machen möchte. An seiner BA erzählt man ihm, dass das problemlos möglich sei, sein Abschluss sei ja gleichwertig. Im Bewerbungsverfahren für den Master folgt dann die Ernüchterung: Die Immatrikulation sei in einem Fall nur möglich, wenn der betroffene Student 60 LP an der Uni erwirbt, wobei die Auswahl der Fächer in einem gewissen Rahmen dem Student obliegt. Hierbei sei gesagt, dass das durchaus üblich ist und auch aus meiner Sicht durchaus vertretbar, denn irgendwie muss man das (Wissens-)Niveau der Studenten angleichen. In nahezu identischen Fällen, wurde aber empfohlen, den kompletten! Bachelor noch einmal an der Uni zu absolvieren, um die Zugangskriterien für den Master zu erfüllen, wobei man ja die an der BA erbrachten Leistungen anrechnen könne. Also haben sich die Studis dann in den Bachelor der Uni eingeschrieben und staunten dann nicht schlecht, als die entsprechenden Anträge auf Anrechnung von Prüfungsleistung jeweils vollständig abgelehnt wurden – ohne Begründung, welche aber nach SächsHSFG §35 (9) bei Nichtanrechnung vorgeschrieben ist. Faktisch wird damit der an der Berufsakademie erworbene Bachelorabschluss für nichtig erklärt und das innerhalb eines Bundeslandes. Für die betroffenen Studenten heißt das, dass sie ggf. bis zu 3 Jahre umsonst studiert haben.

Es ist wieder ein schönes Beispiel dafür wie absurd das Bildungssystem geworden ist, wenn staatliche Einrichtungen die Abschlüsse einer anderen staatlichen Einrichtung nicht anerkennen. Der Grund dafür liegt aber vor allem darin, dass man politisch etwas gleichmachen will, was nicht das Gleiche ist. Ein Studium an einer BA/FH kann nicht identisch zu einem Studium an einer Universität sein (was nicht heißt, dass das Duale Bildungssystem per se überflüssig oder schlecht ist). Das sollte allen Beteiligten in der Hochschulpolitik endlich klar werden und sie sollten es auch endlich so kommunizieren – alles andere ist Betrug an den Studenten.