Schon vor einiger Zeit hab ich in meinem Beitrag „Sachsen will die Universitäten totsparen“ auf die Kürzungspläne der Sächsischen Landesregierung hingewiesen. Nun hat die CDU/FDP-Koalition den vom SMWK (Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst) erarbeiteten Entwurf des Hochschulentwicklungsplans 2020 beschlossen.

Zusammengekommen ist Werk mit 209 Seiten, in dem ganz viel Text die eigentlichen Kürzungspläne kaschieren soll. So wird der Leser größtenteils mit inhaltsleeren Seiten beschäftigt, in denen u.a. ausführlich die Visionen der kommenden „Wissensgesellschaft“ erklärt werden. Nun Lorem ipsum-Text hätte es an dieser Stelle auch getan und wäre auch schneller zu schreiben gewesen. Hat man aber diesen Teil hinter sich, wird es wirklich interessant:

Wir haben kein Geld!

Ein Teil des Hochschulentwicklungsplans beschäftigt sich mit der zu erwartenden negativen Entwicklung der Sächsichen Staatsfinanzen. So wird dem Leser erklärt, dass derzeit große Teile der Einnahmen aus Fördermitteln kommen, die z.T. aufgrund der EU-Osterweiterung bald nicht mehr vorhanden sein werden. Natürlich wurde auch nicht vergessen auf die selbstauferlegte Schuldenbremse hinzuweisen. (Diese ist im übrigen das Paradebeispiel dafür, dass unsere Politiker lieber die Finger von Wirtschaftspolitik lassen sollten, aber das ist eine andere Geschichte). Also muss natürlich gespart werden, und zwar in so wichtigen Bereichen wie der Bildung. Den Hochschulen ist es zwar in großem Maße gelungen die geringeren staatlichen Mittel mit Drittmitteln zu kompensieren. Nur ist der Trend feste Personalstellen durch Drittmittelpersonal und Teilzeitbeschäftigte zu ersetzen in hohem Maße fragwürdig, denn das ist weder für die betroffenen Mitarbeiter, denen immer stärker die Planungssicherheit genommen wird, von Vorteil, noch wird das langfristig positive Auswirkungen auf Lehre und Forschung haben.

Auf der Suche nach der Synergie

Das Wort der Synergieeffekte zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk. Damit sich diese auch gut verkaufen lassen, hat man das Konzept der drei Wissenschaftsräume drumherum gebastelt (Chemnitz, Dresden, Leizig + ein assozierender in Freiberg). Innerhalb dieser sollen sich dann die jeweiligen Einrichtungen abstimmen, enger zusammenarbeiten und eben Synergieeffekte nutzen. Was darunter zu verstehen ist, bleibt natürlich im Unklaren, aber das SMWK beschreibt das z.B. so (S. 179):

„Das SMWK erwartet, dass die TU Bergakademie Freiberg, die TU Chemnitz und die Hochschule Mittweida ihre Studienangebote in den Wirtschaftswissenschaften besser aufeinander abstimmen und Synergieeffekte im materiellen wie personellen Bereich ausnutzen.“

Für die genannten Einrichtungen findet sich das auch für die Bereiche Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik, Mathematik und Chemie. Hier spricht man aber zusätzlich noch von einem „Abbau von Mobilitätshürden“. Was das SMWK genau unter seinen Aussagen versteht, lässt sich nur vermuten, aber es ist davon auszugehen, dass Mitarbeiter und Studenten der einzelnen Einrichtungen wohl etwas mehr pendeln sollen. Letztlich führt das dazu, dass das Betreuungsverhältnis wohl noch weiter in den Keller geht. Für die Lehrqualität dürfte Ähnliches gelten.

Übrigens findet sich für die Wirtschaftswissenschaften auch noch ein schönes Zitat (S. 184f):

„Insbesondere in den Wirtschaftswissenschaften ist keine klare Profilbildung zu erkennen, da praktisch jede Hochschule dieses Fach anbietet. Künftig wird das SMWK auf eine klarere Profilierung des Faches und eine Abstimmung des landesweiten Angebotes im Bereich der Wirtschaftswissenschaften drängen.“

Überkapazitäten? – Ach da war ja was

Kommen wir zum spannendsten Teil und das sind die Statistiken. Das SMWK gesteht wirklich ein, dass die Sächsischen Hochschulen überlastet sind. Auch hier wieder ein Beispiel: Für die TU Dresden, die TU Chemnitz, die Uni Leipzig,  die TU BA Freiberg und die IBI Zittau werden für das WS 09/10 in Äquivalenz zu den Personalstellen 52.254 Studienplätze als Kapazität ausgewiesen. Für das gleiche Semester werden aber für diese Einrichtungen insgesamt 66.001 Studenten angegeben, die eingeschrieben waren. Schaut man nun in die von den Universitäten selbst veröffentlichten Zahlen kommt man aber auf ca. 77.000 Studenten. Somit wurde die Überlastung durch Schönrechnen um ca. 50% reduziert, indem man nicht alle Studenten zählt, sondern nur eine bestimme Gruppe. In den letzten beiden Jahren wurden zudem keine neuen Stellen geschaffen und die Anzahl der Studenten hat sich weiter erhöht und damit wurde auch die Überlastung noch etwas schlimmer. Und in genau diesem Umfeld werden ab 2013 Stellen gekürzt. Willkommen in der Wissensgesellschaft!

Eine ähnliche Form der Schönfärberei findet man auch bei den Studienabbruchquoten. Hier heißt es:

„Für Sachsen selbst liegen derzeit keine Daten zum Studienabbruch an den verschiedenen
Hochschularten und Fachrichtungen vor.“

Diese Abbruchquoten, die nicht verfügbar sein sollen, standen aber unlängst in den Zeitungen und sehen gar nicht gut aus, denn da liegen die „Big Three“ (TU Dresden, Uni Leipzig, TU Chemnitz) im Jahr 2010 im Durchschnitt bei über 50%! (Die TUC kommt da sogar auf über 60%) Der Bundesdurchschnitt liegt übrigens bei ca. 25%, zumindest nachdem, was im HEP steht.

In Deutschland wird zwar oft von Bildungsrepublik, Wissensgesellschaft, etc. gesprochen. Wie ernst das genommen wird, zeigt folgende Statistik, die sich ebenfalls im Hoschulentwicklungsplan findet lässt:

Grundmittel
Laufende Grundmittel pro Studierendem in EUR

Viel Positives kann man dem neuen Hochschulentwicklungsplan nicht entnehmen. Zwar ist es nicht verkehrt ein bisschen Wettbewerb zwischen den Universitäten zu generieren, ein paar Synergieeffekte zu nutzen und Exzellenz zu fördern. Nur ist die Frage in welchem Rahmen man das macht. Ohne eine solide Grundfinanzierung bringt das alles nicht viel. Zu hoffen bleibt somit nur, dass unsere jetzige Politiker-Generation möglichst bald zur Besinnung kommt und die Bildungsausgaben endlich auf ein angemessenes Niveau hebt. Ansonsten hat Deutschland zwar irgendwann mal diverse unterirdische Bahnhöfe nur eben keine Fachkräfte mehr, die dann die Gelder für die Renten und Zinsen erwirtschaften.