Was nach der Abschaffung nahezu aller Zulassungsbeschränkungen durch das alte Rektorat im Frühjahr zu befürchten war, ist nun eingetreten: Die TU Chemnitz hat ihr Kapazitätsproblem bekommen. Offizelle Zahlen gibt es zwar noch nicht aber die Immatrikulationszahlen im WS 11/12 liegen wohl erstmals in der Geschichte der Einrichtung bei über 3000 Neuimmatrikulationen. Davon entfallen allein über 400 auf den Studiengang Bachelor Pädagogik (eine Steigerung zum Vorjahr um über 300%!).

Zumindest für den BA Pädagogik war das zu erwarten, denn der NC für diesen Studiengang wurde schonmal im WS 07/08 abgeschafft, was zu einem ähnlichen Anstieg führte. Nur hat man aus den schlechten Erfahrungen von damals offenbar nichts gelernt: Das Betreuungsverhältnis liegt bei einem unterirdischen Wert von 1:60 (Mitarbeiter : Studenten), die Veranstaltungen sind völlig überfüllt und Seminarplätze werden in Zukunft wohl wieder ausgelost.

Nicht nur im BA Pädagogik ist die Lage dramatisch. An der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften sind einige Masterstudiengänge ebenfalls völlig überlaufen. Die Zahl der Studenten liegt auch hier teilweise beim 3-4 fachen über dem, für was die Studiengänge eigentlich konzipiert wurden. Interessant ist dabei, dass die Fakultät ursprünglich sogar beschlossen hatte, ihre Masterstudiengänge zu beschränken, da man die jetzige Situation vorhergesehen hat. Nur hat zu Beginn des Jahres das alte Rektorat die damalige Entscheidung des Fakultätsrats kassiert und Zulassungsbeschränkungen für diese Studiengänge abgelehnt.

Der Grund für die damalige Entscheidung fast alle Studiengänge zu öffnen, liegt größtenteils in einer total verfehlten Hochschulpolitik seitens der sächsichen Landesregierung. Denn obwohl die sächsischen Hochschulen eigentlich nur für 80.000 Studenten ausgelegt sind und mittlerweile die Immatrikulationszahlen bei weit über 100.000 Studierenden liegen  (Die TUC ist wohl auch nur für 8.000 Studenten ausgelegt, real sind es mittlerweile 11.000.), plant man weiter eifrig die Streichung tausender Stellen. Basis für die Kürzungen sind dabei die Immatrikulationszahlen für dieses Semester. Die Logik der das Rektorat folgte ist somit einfach: Je mehr Studenten unsere Uni hat, desto weniger Stellen müssen wir streichen. Eigentlich recht intelligent, würde das nur nicht alles zu Lasten der Studierenden gehen. Noch merkwürdiger wird das Ganze aber im Bezug auf die langfristigen Pläne des Landes: Der TUC droht auf der einen Seite die Streichung von bis zu 200 Personalstellen bis 2020, was im Verhältnis zur Gesamtzahl der Stellen einer Kürzung um über 10% gleichkommt. Gleichzeitig plant man aber eifrig an einem neuen Innenstadtcampus der wohl mindestens 100 Mio. Euro kosten soll und später parallel zum Campus auf der Reichenhainer Straße existieren soll. Kurzum: Weniger Personal und somit Kapazität, aber dafür neue Gebäude. Ein bisschen sinnlos ist das schon.

Die Kapazitätsprobleme sind allerdings zum Teil auch hausgemacht. So sind z.B. an der Philosophischen und der WiWi-Fakultät seit Jahren diverse Lehrstühle unbesetzt, obwohl die Auslastung bei beiden schon vor diesem Semester bei über 100% lag. (Die Professur VWL III ist hier mit 4 Jahren des Unbesetztseins wohl Spitzenreiter.) Und diverse Berufungsverfahren sind gerade am damaligen Rektorat gescheitert. Dazu gesellt sich dann noch eine Abbrecherquote von 62% im Jahr 2010, die die Studierendenzahl durch Studiengangswechsel weiter anschwellen lässt.

Für den künftigen Rektor Prof. van Zyl gibt es also jede Menge Baustellen, die es zu beseitigen gilt. Ab wann dieser überhaupt sein neues Amt antreten darf, ist noch nichtmal wirklich sicher. Denn dank einem leicht intransparenten Verfahren, könnte es noch zu einem juristischen Nachspiel kommen. Da bleibt dann wirklich nur zu sagen: Willkommen im Chaos.