Heutige Soziale Netzwerke wie Facebook haben ein Grundproblem, welches bereits vielfach diskutiert wurde: Der User ist nicht der Kunde, sondern das Produkt. Er gibt seine persönlichen Daten und sein Nutzungsverhalten preis und darf im Gegenzug ein paar Funktionen nutzen. Die Nutzungsdaten verwendet dann der Anbieter um damit gezielte Werbung für Unternehmen anbieten zu können und dadurch dann Geld zu verdienen.

Das geht solange gut, bis die Nutzer entweder mehr Schutz ihrer Daten einfordern oder zu dem Netzwerk weiterziehen, von dem sie sich noch mehr Nutzen versprechen. Beides ist aber letztlich der Genickschuss für das bisherige Netzwerk, denn aktiver Datenschutz oder Rückgang der Nutzerzahlen stören das Geschäftsmodell erheblich.

Nun kann man den Punkt, bis das System in sich zusammenfällt eine Weile herausschieben etwa in dem die Nutzer für Datenschutz immer weiter desensibilisiert werden. Dass das derzeit gut funktioniert, lässt sich leicht daran erkennen, dass heute Dinge akzeptiert werden (Vorratsdatenspeicherung, Speicherung der Telefonverbindungdaten, elektronischer Datenabgleich, Abgleich biometrischer Daten, usw.) zu denen nicht einmal die Staatsicherheit der DDR in der Lage war. An dieser Desensibilität haben aber Firmen nur einen kleinen Anteil, da gewisse Rechtsstaaten hier  noch erfolgreicher agieren. Allerdings dürfte irgendwann der Punkt erreicht werden, wo der Nutzer die negativen Auswirkungen dieser Datensammlung derart spürt, dass er sich dagegen auflehnt und etwa im Bezug auf Soziale Netzwerke seinen Account löscht. Diese negativen Auswirkungen spüren erst wenige, etwa die, die versuchen ein paar peinliche Fotos wieder aus dem Netz zu entfernen. Erst wenn diese Probleme für die Masse der Nutzer spürbar werden, kommt es zum Fall der bisherigen Geschäftsmodelle.

Nun stellt sich die Frage ,was danach kommt, also in etwa 4-6 Jahren? Ich selbst glaube nicht an den Erfolg von dezentralen Netzwerken wie Dispora, denn sie sind schlicht zu kompliziert in ihrem Aufbau und auch die Frage wer die dezentralen Netzwerke betreibt, dürfte ziemlich schwierig zu lösen sein. Letzlich dürfte es wohl darauf hinauslaufen, dass die zentralen Netzwerke weiter dominant bleiben, wobei allerdings der User wieder zum Kunde werden muss und das wird er zwangsläufig nur, indem er für die Funktionen bezahlt. Hierbei könnte sich ein ähnliches System wie bei WordPress.com durchsetzen, also das Basisfunktionen kostenfrei sind und für Dinge wie zusätzlicher Speicher, Werbefreiheit, etc. gezahlt werden muss. Letztlich werden sich nur so annehmbare Datenschutzbestimmungen durchsetzen lassen, es sei denn sie werden staatlich dikitert, wobei aber nicht klar ist, wie solche Bestimmungen durchgesetzt und überwacht werden könnten.