Scott McBains Thriller „Der Judasfluch“ basiert auf einer Legende rund um die 30 Silberlinge, die einst Judas für seinen Verrat an Jesus bezahlt wurden. Dabei geht dieses Buch vor allem zwei Fragen nach: Was ist mit diesen Münzen passiert und welche Auswirkungen hat ihr Wiederauftauchen auf die Welt?

Eines der Hauptprobleme des Buches ist die Anlegung der Charaktere: Der Protagonist, ein Gerichtspsychiater namens Paul Stauffer, ist derart flach und unsympathisch geraten, dass sein Schicksaal den Leser nicht wirklich interessiert. Beispiel gefällig: Nun, was denkt sich jemand der eine Frau und eine kleine Tochter hat, wenn er gerade dabei ist groß rauszukommen? Richtig, ich brauche eine jüngere Frau. Wer von solchen literarischen Ergüssen immer noch nicht abgeschreckt ist, wird vom Autor im weiteren Verlauf der Handlung u.a. durch die „Astralebenen“ geführt. Im Prinzip könnte man sowas mit Levels in einem PC-Rollenspiel vergleichen – je weiter Stauffer auf den „Astralebenen“ vorankommt, desto größer seine Fähigkeiten. Nette Idee, nur leider sind die Passagen rund um die „Astralebenen“ völlig verunglückt. Teilweise kommt in einem der Wunsch auf, der Autor hätte sich und dem Leser solche Darstellungen einfach erspart, dem Buch hätte es gut getan.

Die Handlung des Buches wandelt im gesamten Verlauf mal zwischen Psychothriller, Kirchen- und Fantasy-Roman. Es wirkt aber eher als hätte sich McBain nicht so recht für eine Richtung entscheiden können. Der einzig gelungene Abschnitt findet sich im letzten Teil des Buches, in welchem dem Leser die Geschichte des Fischers (Petrus) beschrieben wird. Der Rest ist eine Aneinanderreihung von uninteressanten (weil vorhersagbaren) oder völlig übertriebenen (der Endkampf, die Astralebenen) Ereignissen.

Der einzig positive Aspekt des Buches ist wohl, dass es mal nicht dem Schnitzeljagd-Schema ala Dawn Brown folgt. Die katholische Kirche kommt auch mal verhältnismäßig gut weg und spielt hier mal auf der Seite der Guten, wobei ihre einzelnen Mitglieder aber teilweise sehr blas bleiben, etwa der Papst.

Fazit: Die Grundidee ist durchaus spannend, der Rest des Buches ist aber eher eine Verkettung literarischer Grausamkeiten.