Wenn sich Politiker in einem einig sind, dann das das deutsche Gesundheitssystem marode ist. In der Frage, wie man es denn reformieren soll, gehen die Wege allerdings weit auseinander. Seit Jahrzehnten versuchen sich nun schon die einzelnen Regierungen an Notoperationen und erzählen dem Bürger jedesmal, dass jetzt alles besser wird, vielleicht auch noch billiger. Die Wahrheit allerdings ist eindeutig: Das System braucht keine Not-Reform, es bedarf einer vollständigen Neuausrichtung!

Grundsätzlich gibt es zwei Wege ein Gesundheitssystem auszurichten: Entweder man installiert ein vollständig privates System oder ein staatliches. Ein privates System, wie es etwa in den USA weitestgehend vorherrscht, hat für diejenigen Vorteile, die jung und gesund sind bzw. über hohe Einkommen verfügen. Für diese Gruppe würden sich die Gesundheitskosten merklich reduzieren. Problematisch wird es für diejenigen, die unter chromischen Erkrankungen leiden, ihren Job verlieren, sich keine private Krankenversicherung leisten können, weil sie zu wenig verdienen oder für Senioren. Nebenher gibt es noch das Phänomen, dass z.B. die USA zwar das mit Abstand teuerste, aber bei weitem nicht das beste Gesundheitssystem haben. Warum also soll mehr Wettbewerb (+ weitere Privatisierungen) unser Gesundheitssystem verbessern, wenn im Kernland der Marktwirstchaft schon nicht funktioniert?

Da also ein privates Gesundheitssystem nicht wirklich sinnvoll ist, müsste ein neues Gesundheitssystem weitgehend in staatlicher Hand sein. Private Krankenkassen müssten abgeschafft und die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen auf eine einstellige Zahl reduziert werden. Das neue System sollten wirklich alle mitfinanzieren und die oberen 10.000 sollten diesmal keine Sonderbehandlung bekommen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollten zu gleichen Teilen, Selbstständige sollten den Arbeitnehmerteil zahlen.

Weiterhin müsste ein Umdenken in der Direktversorgung einsetzen. Anstatt das Ärzte eigene Praxen betreiben, sollte sog. Medizinische Versorgungszentren (MVZ) flächendeckend entstehen (gibt es übrigens in einigen Orten schon), die über das staatliche Gesundheitssystem finanziert werden und in denen mehrere Ärzte verschiedener Fachrichtungen praktizieren. Damit könnten Verwaltungsausgaben durch eine gewisse Zentralisierung gesenkt werden, Ärzte müssten keine Unternehmer mehr spielen, für die Patienten könnte eine flächendeckende und alle Menschen umfassende Versorung gewährleistet werden und die normalen Behandlungskosten könnten sich ebenfalls reduzieren lassen. Letzteres geschieht zum Einen durch eine mögliche höhere Auslastung von medizinischen Geräten und zum Anderen dadurch, dass es egal wird, wie oft jemand zum Arzt rennt, denn dessen Gehalt ist dann nicht mehr davon abhänig, wieviel er bei den Krankenkassen abrechnet. Krankenhäuser müssten zudem ebenfalls wieder in staatliche Hand, damit auch hier die Entstehung sinnloser Behandlungskosten unterbleibt. Denn leider sind einige Krankenhäuser mittlerweile dazu übergegangen, Patienten länger zu behalten als medizinisch notwendig, damit bei den Krankenkassen mehr abgerechnet werden kann. Eigentlich ein Skandal, lässt sich aber eben nur schwer nachweisen.

Das klingt zwar alles etwas sozialistisch, aber im Laufe der Jahrhunderte hat sich gezeigt, dass die Marktwirtschaft nicht in der Lage ist öffentliche Güter wie Gesundheit, Bildung und Infrastruktur flächendeckend und für alle Menschen bezahlbar zur Verfügung stellen, auch wenn das ein paar Neoliberalisten anders sehen. Allerdings sollte es auch in einem staatlichen Gesundheitssystem gewisse Beschränkungen geben, damit die Allgemeinheit nicht die Fettabsabsaugungen, Facliftings etc. irgend eines „Stars“ bezahlen muss.

Dieses neue Gesundheitssystem wäre zwar wohl kaum billiger, aber zumindest ein ganzes Stück gerechter und vielleicht auch besser für die Allgemeinheit, als das pseudoprivate System von heute.

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