Wer politische Diskussionsrunden im Fernsehen verfolgt, wird im Laufe der Zeit feststellen, dass diese rein gar nichts bringen. Da sitzen sich die Vertreter der unterschiedlichsten Lobbygruppen gegenüber, legen ihre seit Jahren gleichen Standpunkte dar und werfen der Gegenseite Inkompetenz vor. Als normaler Bürger fragt man sich dann: Was soll das? Wieso macht die Politik nicht einfach mal was richtig und setzt nicht nur die Vorgaben der Lobbygruppe um, die am meisten zahlt?

Aus der Frustration über diese unsägliche Situation, gibt es von mir in Form einer kleinen Serie ein paar Reformvorschläge für unsere Regierung. Heute: Das Bildungssystem

16 Bundesländer – 16 Schulsysteme

Das föderalistische System der Bundesrepublik, Spötter nennen es Kleinstaaterei, treibt oft seltsame Blüten, was sich leider auch in den Schulsystemen niederschlägt. Jedes Bundesland hat da sein eigenes kleines System geschaffen. Damit haben sich in den letzten 60 Jahren ja auch diverse Landespolitiker profiliert und sich in deutsch-deutscher Abgrenzung geübt. Es kann ja auch nicht sein, dass Bayern das gleiche Schulsystem hat wie Hamburg.

Die erste Reform müsste eine Vereinhelitlichung der 16 Systeme anstreben, wenn nötig muss den Ländern die Hoheit über die Bildungspolitik entzogen werden. Lehrpläne und Bildungswege müssen innerhalb dieser Reform vereinheitlicht werden, sodass eine gewisse Vergleichbarkeit der Abschlüsse wiederhergestellt wird. Für welches System man sich entscheidet, ist dabei eigentlich fast egal, solange eine Durchlässigkeit des Systems gegeben ist. Damit meine ich im Grunde die Möglichkeit für Schüler einfach zwischen den Schulformen zu wechseln. Wer beispielsweise in der Realschule gute Noten hat, sollte also auch in jedem Schuljahr auf ein Gymnasium wechseln können usw. Ich persönlich würde ein 3-gliedriges System ab der 6. Klasse bevorzugen. Das Abitur sollte in der 12. Klasse, Realschulabschluss in der 10. Klasse und Hauptschulabschluss in der 9. Klasse abgelegt werden. Die schriftlichen Abschlussprüfungen sollten von jedem Bundesland zentral vorgeben werden. (Einheitliche Prüfungen in ganz Deutschland halte ich für unrealisitsich, allein schon wegen der unterschiedlichen Ferienzeiten.) Wie die 3 Wege angeboten werden (als Gesamtschule oder spezialisierte Schulen), sollten dabei die Städte und Gemeinden frei entscheiden können.

Waldorfschulen und ähnliche alternative Projekte sollten aufgegeben, die Klassengrößen dafür auf 15-20 Schüler reduziert werden. Die Lehramtsausbildung sollte weiterhin vereinheitlicht werden und es sollte jedem in Deutschland ausgebildetem Lehrer auch möglich sein in jedem Bundesland zu arbeiten.

Ökonomisierung der Hochschulen

Ähnlich wie bei den Schulen wurde bei den Hochschulen eine riesige „Verreformierung“ betrieben. Ein Beispiel sind hier die Studiengebühren und der Bologna-Prozess.

Studiengebühren wurden in einigen Bundesländern mit der Begründung eingeführt, dass sie die Studienbedingungen und die Finanzaustattung der Hochschulen verbessern, sowie die Studienzeiten reduzieren. Nur für die Finanzaustattung und die Studienbedingen ist allein der Staat verantwortlich. Studiengebühren sind auch keine Investition in die eigene Zukunft, wie es uns einige Herren von der INSM glauben machen wollen. Studenten kosten den Steuerzahler Geld. Ja, das stimmt, aber werden sie nicht dafür ausgebildet später höhere Positionen mit im Durchschnitt höheren Gehältern zu besetzten? Ja, und höhere Gehälter bedeuten auch höheres Steueraufkommen. Damit finanzieren Studenten ihr Studium rückwirkend, eben durch späteres höheres Steueraufkommen. Durch Studiengebühren sollen sie nur doppelt bezahlen und nebenbei werden Personen, die keine 1400 Euro pro Jahr aufbringen können, vom Studieren abgeschreckt. Daher sollten Studiengebühren in ganz Deutschland wieder abgeschafft werden.

Ein weiteres Problem ist der Bologna-Prozess, der zwar halbwegs sinnvolle Ziele unterstützt, aber in Deutschland desaströs umgesetzt wurde. Ein Beispiel: Wer in Chemnitz Wirtschaftswissenschaften (BA) studierte und nun an einer anderen Uni einen Master in VWL besuchen will, wird an einigen Unis nicht zugelassen, weil sein BA-Studiengang nicht genügend Credit-Points im Bereich VWL aufweißt, egal wie gut sein Abschluss war. An anderen Unis wird in Studienordnungen reingeschrieben, dass ein Studiengang nur für Studenten der eigenen Hochschule ist. Und es gibt noch viel mehr Beispiele. Hauptproblem ist meiner Meinung nach, dass nach der Bologna-Reform Universitäten Studiengänge auflegen können, die erst Jahre später akkreditiert werden. Die Akkreditierung sollte aber erfolgen bevor überhaupt Studenten in die Studiengänge immatrikuliert werden, um solchen Exzessen Einhalt zu gebieten. Nebenbei sollte aber die Akkreditierung selbst überarbeitet werden. Zudem sollte ein einheitliches Bundeshochschulgesetz eingeführt werden, dass die Länderversionen ablöst.

Ein weiteres Problem betrifft das BA/MA-System. Unsere Wirtschaft liebt unpolitsche Fachidioten, die keinen Ärger machen, und genau die sollen Hochschulen ausbilden. Daher wurde überhaupt der Bachelor als Schmalspurstudium (inkl. Verschulung des gesamten Systems) eingeführt. Im Prinzip könnte man zum Diplom halbwegs zurückkehren (Das BA/MA-System ist im Grunde ja nicht so schlecht), indem man allen Studenten einen zum Bachelor passenden Masterstudienplatz zur Verfügung stellt – eine weiterer Reformvorschlag meinerseits.

Neben diesen strukturellen Reformen, sollte weiterhin für eine bessere Finanzaustattung des Bildungssystems gesorgt werden. Denn Einsparungen heute, zahlt die Gesellschaft später in einem Vielfachen nach.