Die Studentenwelt wird gerade wieder durch deutschlandweite Demonstrationen durcheinander gewirbelt. Dabei frag ich mich, warum da einige überhaupt streiken? Natürlich hat das Konzept der Bachelor- und Masterstudiengänge erhebliche Schwächen, allerdings könnten innerhalb der Unis die meisten dieser Schwächen, gerade was die Studiengänge selbst betrifft, abgebaut werden, denn in den Gremien, die über die Studienordnungen entscheiden, sitzen zum großen Teil auch studentische Vertreter. Deren Problem ist an einigen Stellen die Legitimationsgrundlage. An der TU Chemnitz beispielsweise waren vor 2 Wochen die Wahlen zu den Fachschaftsräten, also quasi die ureigenen studentischen Wahlen – die Wahlbeteiligung lag bei weniger als 14%! Die Fachschaftsräte, Studienkommisionen, usw. werden trotzdem besetzt, aber können für sich nicht einnehmen die Mehrheit der Studenten zu vertreten, was im Prinzip ihre Durchsetzungsfähigkeit gegenüber universitären Stellen beinträchtigt. Somit rauben sich die Studenten selbst ihrer wichtigsten Mitbestimmungsgrundlagen.

Beim aktuellen „Bildungsstreik“ wird dann trotzdem mehr demokratische Mitbestimmung gefordert, wo gleichzeitig die aktuellen Möglichkeiten von 80% der Studenten nicht mal genutzt werden. Auf die Dinge die da für Schüler gefordert werden will ich gar nicht erst großartig eingehen. Nur so viel: Das G8-Abitur ist nicht so schlecht, wie einige „Wessis“ denken.

Das zentrale Problem des gesamten Bildungssystems rückt wie immer in den Hintergrund, denn das eigentliche Desaster der letzten Jahrzehnte beruht auf der aus dem angelsächsischen Raum übernommenen „Verwirtschaftlichung“, die man mit so tollen Parolen wie „mehr Praxisnähe“ und „bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt“ beworben hat. Das Bachelor/Master-System, das Teil davon ist, führte dazu, dass an den Universitäten der Lehrstoff aus den Diplomstudiengängen nicht auf Bachelor und Master verteilt, sondern dass der Umfang wohl insgesamt ein ganzes Stück vergrößert wurde – die Anzahl von zu schreibenden Klausuren hat man jedenfalls verdoppelt. Daher ja auch der Name „Bildungsfabrik“. Gewollt war das vielleicht nicht, aber es ist eben schwer Studiengänge auf dem Papier zu entwerfen. Um solche Schwächen zu beseitigen hat man ja diverse Gremien erfunden – doch anstatt diese zu unterstützen und damit auch die Universitäten selbst, denen es nach der Systemumstellung auch nicht besser geht als vorher, rennen einige wieder blind auf die Straßen – Hauptsache Demo…