Diese Woche stellte Microsoft neben einer Entwicklerversion von Windows Seven auch nähere Details zu Windows-Azure vor, Microsofts Antwort auf das Cloud-Computing. Das ist so etwas wie das Web 3.0. Aber erleben wir das überhaupt noch oder bricht das Internet vorher zusammen?

Anfang der 90er Jahre war die Welt des Internets noch einfach: Es gab nur ein paar tausend Internetseiten, keine Bilder, keine Animationen, keine Videos, nur Text und die Internetverbindung erfolgte über 28kbit-Modems. Da die breite Masse eh nichts vom WWW wusste, waren die wenigen Internet-Nutzer unter sich.

Später erfand man im Netz das Bild und den ISDN-Anschluss. Das Internet wurde immer größer und Ende der 90er entstand das Web 2.0. Ein Begriff den fast jeder Internetnutzer kennt und keiner weiß, was man damit meint. Nun einfach gesagt, ist das alles was das Web bunt macht: Flash-Animationen, Videos, Podcasts, Blogs, Browsergames und der ganze andere Kram. Das heutige Web ist ein Ort geworden, wo die Datenmengen dank Tauschbörsen und Video-Portalen so stark ansteigen, dass man mit ISDN- und 56k-Modems eigentlich nicht mehr vernünftig Surfen kann, oder habt ihr mal versucht mit einem Modem ein Video bei Youtube oder MTV  anzuschauen?

Heute im Jahr 8 des dritten Jahrtausends denkt man über ein neues Web nach. In diesem Web hat man nur noch ein Gerät (Handy, Netbook) mit einem Browser. Sämtliche Dienste (Office-Anwedungen, Filme, usw.) und alle Daten (e-Mails, Fotos, Texte) eines jeden sind im Internet gespeichert und dort sofort verfügbar. Niemand soll sich mehr darum kümmern müssen, wo seine Daten sind und keiner braucht mehr Datensicherungen zu machen. Das alles übernimmt die „Wolke“ oder im englischen „ The Cloud“. Der Browser wird so zum Betriebssystem der Zukunft. So will es die Branche und vor allem Google. Windows würde dann niemand mehr brauchen und Raubkopien würde es auch keine mehr geben, da es keine Datenträger mehr gäbe, die man kopieren könnte. Was für ein Traum für die Industrie!

Leider haben die Ideen der Konzerne eine Grenze und das ist das Internet selbst. Die Netze wurden nicht dafür konzipiert, dass das Internet mal 2 Mrd. Nutzer haben würde, oder das man Filme in HD-Qualität übertragen will. Mehr als 50% des Netztraffic werden heute durch Tauschbörsen und Videoportale verursacht. Tendenz steigend. Großstädter mit DSL16000 Anschluss, werden sich jetzt fragen warum die Netze ein Problem sein sollen. Nun es gibt viele Orte an denen es gerade einmal DSL1000 oder 2000 gibt oder gar keins, weil die Verteilerknoten zu weit weg sind. Für all diese Leute, die für ihren Internetanschluss bei einigen Anbietern sogar mehr bezahlen als Großstädter und das bei weniger Leistung wird das Internet des Web 3.0 kaum mehr nutzbar. Die Übertragungsraten sind einfach zu gering für HD-Filme oder die sinnvolle Nutzung von zukünftigen Online-Anwendungen und die Zeiten als das Internet noch die Geschwindigkeit eines 56k-Modems besaß kommen wieder. Aber das größte Problem des Internets betrifft auch Großstädter. Denn der IPv4 Adressraum wird 2011 ausgeschöpft sein. Normalerweise bekommt der Nutzer eine eindeutige dynamische IP zugewiesen, wenn er sich ins Netz einwählt und verliert diese, wenn er sich auswählt. Das funktioniert so lange wie es mehr Adressen wie Nutzer gibt. Gibt aber mehr Nutzer als IP-Adressen wird es wohl Wartezeiten bei der Einwahl geben oder einige bleiben dann ganz auf der Strecke. Die Lösung mit dem Namen IPv6 gibt es schon seit mehr als 10 Jahren. Problem dabei: Heutige Betriebssysteme sind zwar IPv6 kompatibel, nur die Netze samt der DSL-Modems zu Hause sind es meist nicht. An der Unstellung wird zwar gearbeitet, aber sie kostet weltweit mehrere hundert Milliarden Euro und wird noch Jahre in Anspruch nehmen. Weiteres Problem ist der Datenmüll. Es gibt Millionen von sinnlosen Werbewebseiten und täglich 100 Mrd-Spam Mails! Dazu kommen noch Viren, Trojaner, Würmer und Hacker. Schönes heiles Web!

Aber zurück zur Eingangsfrage. Bricht das Internet nun bald zusammen? Das kann eigentlich niemand mit Gewissheit sagen. In ein paar Jahren werden wir wohl irgendwo zwischen Zusammenbruch des Internets und Cloud-Computing sein. Das Internet wird aber wohl eher nicht zusammenbrechen. Aber, dass dachte man bei den Finanzmärkten auch….