Manch einer fragt sich in diesen Tagen: Was ist los in den USA? Aus einer Krise auf dem US-Immobilienmarkt wurde erst eine US-Finanzkrise, die sich später über die Welt wie eine Seuche ausbreitete und zu einer globalen Krise entwickelte. Und wie sagten doch die Experten Anfang 2008: „Mitte des Jahres haben wir das Schlimmste hinter uns.“  Leider haben wir jetzt Herbst und seit dem vergangenen Wochenende stellt sich die Welt wieder die Frage: Kommt das Schlimmste jetzt noch?

Denn seit Sonntag wissen wir: Wieder eine US-Banken ist Pleite! Diesmal erwischte es Lehman Brothers. Die Bank hatte einen Schuldenberg von 613 Mrd. $ angehäuft. Zeitgleich wurde eine weitere US-Traditionsbank verkauft. Um dem gleichen Schicksaal wie Lehman zu entgehen, verkaufte sich Meryll Lynch quasi selbst für rund 50 Mrd. $ an die Bank of America. Weiterhin muss der Versicherungsriese AiG Kredite in Höhe von 40 Mrd. $ aufnehmen um sein Kapital aufzustocken.

Anders als in den Fällen Freddie Mac, Fanny Mae und Bear Stearns hilft der Staat diesmal nicht. Denn der kann wohl nicht mehr. Die Staatsverschuldung liegt bei ca. 9,7 Billionen Dollar! Das entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von rund 32.000 Dollar und 68% des US-BIP. Und zu den 9,7 Billionen kommen täglich 1,9 Mrd. $ dazu. Die Sanierung von Fannie und Freddie ist da noch nicht eingerechnet, aber die wird den Staat und somit dem Steuerzahler Milliarden wenn nicht sogar Billionen kosten, denn beide zusammengenommen haben in ihrem Kreditbüchern 12 Billionen $ stehen. Bei so vielen Nullen reichen normale Handtaschenrechner schon gar nicht mehr. Dagegen sind die Pleiten der SLB und der IKB mit zusammen 5 Mrd. € für den deutschen Steuerzahler ja richtig billig gewesen und auch die deutsche Wiedervereinigung war mit bis heute 1,3 Billionen € fast ein Schnäppchen. Noch weitere Verstaatlichen können sich die Amis also nicht wirklich leisten. Es wäre sowieso eher fatal gewesen, noch eine weitere Bank mit Steuergeldern zu retten, denn die Zahl der sanierungsbedürftigen US-Großunternehmen ist beträchtlich, man denke da beispielsweise an die US-Autobauer. Da könnte ja dann jeder kommen.

Auf jeden Fall werden die nächsten Wochen noch sehr interessant. Welche Bank hat noch Leichen im Keller? Wer geht als nächstes Pleite? Das Ausmaß dieser Finanzkrise lässt sich immer noch nicht abschätzen. Die Ursache hat man aber schon vor Monaten gefunden.

Im Prinzip sind sie hausgemacht. Auf dem US-Immobilienmarkt wurden Hypotheken und Kredite oder Hypotheken an Leute vergeben, von denen eigentlich klar war, dass sie das Geld nicht wieder zurückzahlen können. Das Risiko an den vergebenen Krediten/Hypotheken hat man hübsch in andere Produkte verpackt und in die ganze Welt exportiert. Da beschäftigten einige Banken sogar Herscharen von Mathematikern oder wenn es sein musste Atomphysikern um diese Produkte zu entwerfen. Und die anderen Banken schmissen ihnen das Geld hinterher und keiner gab zu, dass er das was er da gekauft hat gar nicht mehr versteht. Die Seifenblase in die viele investiert haben wurde mit der Zeit immer größer. Bis zum letzten Jahr, als die Häuslebauer in den USA sich ihre Kredite nicht mehr leisten konnten. Da platzte die Seifenblase und die Billionen waren in den Sand gesetzt.

Moment, aber dass mit den Seifenblasen kennen wir doch irgendwoher: Ja, vor 8 Jahren platzte eine Seifenblase namens Neuer Markt. Damals als die Leute in Firmen investierte, wo keiner wusste was sie eigentlich machen. Die Geschichte wiederholt sich also. Heißt es nicht eigentlich, dass man aus Fehlern lernen sollte. Leider tut das wohl niemand.

George Bush zumindest dürfte froh sein, wenn er in ein paar Monaten in den Ruhestand geht. Seine Amtszeit wird damit wohl als eine der unrühmlichsten in die Geschichte eingehen. 2 Wirtschaftskrisen, 2 Kriege und ein Rekordstaatsdefizit stehen in seiner Bilanz. Gut, für die Wirtschaftskrisen kann er wohl am wenigsten, aber sein Nachfolger darf die Scherben wegräumen. Und um Steuererhöhungen dürften dann wohl weder Obama noch McCain herumkommen. Die Amerikaner werden sich nicht gerade freuen.

Auch für den Rest der Welt werden die nächsten Monate holprig. Eine schwächelnde Weltwirtschaft haben wir ja jetzt schon und das wird wohl so schnell nicht besser. Leider gibt es auch immer einen Dummen, wenn die Großen beim Mega-Monopoly ein paar Billionen verzocken, denn bezahlen darf das meist der Steuerzahler, der zeitgleich noch um seinen Arbeitsplatz fürchten muss.

Die Einzigen die in nächster Zeit ihren Arbeitsplatz sicher haben, sind die Herrschaften, die das ganze Geld drucken, was die Notenbanken derzeit in den Markt pumpen. Nun um nicht alles schwarz zu malen: Krisen haben zum Glück auch was Gutes, denn danach geht’s eigentlich immer wieder aufwärts, bis zur nächsten Krise.

 

 

Weiterführende Links:

Frank Meyer – Schnaps für alle

n-tv.de – Letzte Ölung für Lehman