Seit gestern hat die Internetgemeinde wieder ein neues Thema: Google bringt einen eigenen Browser! Nach Earth, Picasa, Gears, Mail und wie die anderen Dienste alle heißen, kommt nun der nächste Streich des Suchmaschinen-Giganten. Doch was bringt Chrome dem Anwender? Der Versuch eines objektiven Ausblicks…….Gestern um 21:00 Uhr (MEZ) war es soweit: Google gab die erste Beta-Version seines neuen Browsers frei. Heute morgen konnte man dann schon auf einigen großen Online-Portalen lesen, dass der neue Browser in 2 Jahren 20% Marktanteil haben, oder dass er Microsofts Dominanz bei Betriebssystemen bedrohen könnte. Andere feierten ihn schon als „Super-Browser“. Hirngespinste? Wahrscheinlich, wenn man mal einen nüchternen Blick auf die Beta von Chrome wirft.

Googles Browser basiert hauptsächlich auf WebKit, dass bekanntermaßen auch in Apples Safari zum Einsatz kommt. Dazu würzte man das Programm mit einer eigenen JavaScript-Engine, ein paar Firefox Programmzeilen und ein paar Ideen von Opera, dazu entfernte man so viele Buttons und Einstellungsmöglichkeiten wie nur irgendwie möglich. Heraus kam im Prinzip ein „Safari für Arme“. Google legt bei seinem Browser nach eigenen Angaben besonders Wert auf Sicherheit, Stabilität und Performance. Letzteres überzeugt sogar. Im Acid2-Test fällt der Browser zwar knapp durch, dafür erreicht Chrome mit 76 Punkten von 100 einen besseren Wert als der Firefox 3 oder der Apple Safari. Einzig Opera ist hier noch besser. Die Anzeigequalität ist also auf einem guten Weg und die Geschwindigkeit des Browsers dazu stimmt auch noch. Klingt eigentlich ganz gut. Zum Thema Sicherheit und Stabilität gibt’s noch nicht viel zu sagen, außer dass sich wohl Google hier etwas verschätzt hat. Die ersten beiden Sicherheitslücken fand man binnen von 12 Stunden. Das spricht nicht gerade für Chrome, vor allem, weil eine davon relativ bekannt ist, da sie schon vor Wochen im Safari auftrat und in der Zwischenzeit von Apple längst behoben wurde. Man darf gespannt sein, was man da noch so findet. Google hat in diesem Bereich wohl noch jede Menge zu tun. 

Fakt ist, dass Chrome sehr freudig ist in der Grundeinstellung Daten an Google zu senden, was schon bei der eingegebenen Adresse anfängt. Damit wird man zumindest dem Ruf als Daten-Krake wieder einmal gerecht. Allerdings kommt der Browser ebenfalls mit einer Funktion, die das Speichern von Surfdaten im Browser unterbindet, Google nennt das „Privacy Mode“. Das merkwürdige an dieser Funktion ist, dass sie in den einschlägigen Computerzeitschriften erst groß gelobt wird, als sie in der Beta des IE8 Einzug hielt. Verschwiegen wird immer, dass sie im Safari schon seit einem Jahr existiert und Mozilla diese Funktion schon vor Monaten für die Ende des Jahres erscheinende Version 3.1 des Firefox angekündigt hat.

Die Adresszeile die wohl größte Neuerung bei Chrome. Google verschmolz die Adressleiste mit der Suchleiste, sodass Adressen und Suchergebnisse miteinander verschmelzen und nennt das „Omnipage“ (Übrigens kann man in den Einstellungen von Chrome auf andere Suchanbieter umstellen, wie z.B.: Yahoo oder MSN). Der Rest des Browsers ist sehr schlicht und einfach gehalten. Insgesamt lässt sich hierzu sagen: Wer die Anordnung der Bedienelemente im Internet Explorer 7 mag, wird Chrome lieben.

Eine Frage stellt sich hierbei: Was will Google mit einem eigenen Browser, wenn man über eine Kooperationsvereinbarung mit der Mozilla Foundation sowieso schon Firefox zu 90% finanziert? Das lässt sich relativ schnell beantworten: Chrome soll als Plattform für die anderen Google-Dienste dienen und damit das Internet-Monopol festigen bzw. ausbauen. Bei FAZ.net beizeichnet man den Browser schon als „Trojanisches Pferd“, dem es nicht um den nächsten Browserkrieg ginge, sondern darum das „Betriebssystem der Zukunft“ zu werden, dass über das Internet laufen soll. Das Ganze nennt sich „Cloud-Computing“ und Microsoft und Google arbeiten jeweils bereits an der Umsetzung dieses Ziels. „Cloud-Computing“ bedeutet nix anderes, als dass man seine Daten nicht mehr auf der eigenen Festplatte sondern irgendwo im Internet abspeichert, eben auf einer Wolke. Was das für Konsequenzen haben wird, kann sich jeder aus ausmalen. Auf jeden Fall hat das nicht nur Vorteile. Den Datenschutz kann man dann wohl ganz abschreiben und der Schritt zum Überwachungsstaat ala George Orwell ist dann wohl noch kürzer als jetzt schon. Aber bis zum Internet-Betriebssystem sind es glücklicherweise noch ein paar Jahre. Ob das Ganze dann für mehr als nur Texte schreiben und Fotos bearbeiten funktioniert, sei noch dahingestellt, denn nicht überall gibt es einen DSL-16000 Anschluss und glücklicherweise gibt in der Wirtschaft ja immer 2 Seiten der Medaille, nämlich Angebot und Nachfrage. Die Frage ist hierbei: Wollen wir wirklich all unsere privaten Fotos oder Dokumente im Internet abspeichern? Um uns mit dieser Frage zu beschäftigen bleibt uns Usern nicht mehr soviel Zeit.

Für Google und Microsoft könnte es derweil noch richtig dick kommen. Wo Microsoft mit dem Internet Explorer schon 20% Marktanteil gegenüber Firefox eingebüßt hat, könnte Windows ähnliches Schicksal erleiden, wenn ReactOS als Open Source Windows wirklich in 2-3 Jahren 100%-Kompatibelität erreichen würde, was mit etwas Glück dazu führt, dass Windows 7 im Privatkundenbereich zu einem mittleren Desaster wird. Und bei Google sieht es nicht besser aus: In den USA denkt man schon über eine Zerschlagung des Konzern nach……

Doch zurück zu Chrome. Auf die gestern veröffentlichte Beta-Version bezogen kann man sagen: Es ist weder ein „Super-Browser“ noch ist er wirklich empfehlenswert. Im Prinzip ist es nix weiter als eine schlechte Safari-Kopie mit Google-Funktionen. Von einem Vergleich mit Opera und Firefox braucht man eigentlich erst gar nicht zu reden. Besser als der Internet Explorer 7 zu sein und sich alles bei den Anderen abzuschauen reicht ,selbst wenn Google vor dem Namen steht, in der Browserwelt nur für die Zweite Liga. Aber die Finale Version kommt ja erst noch…..

 

Weiterführende Links:

heise online: Googles Webbrowser Chrome wühlt das Web auf

chip.de: Chrome kommt

faz.net: Google Chrome: das trojanische Browserpferd